Neun Dinge, die bei der Selbstständigkeit helfen

Beim Überlegen nach konkreten Inhalten für diesen heute noch jungen Blog fielen mir einige Dinge ein, die mich selbst seit Jahren als Selbstständiger auf jedem Schritt begleiten und die ich heute auf keinen Fall mehr missen möchte. Diese sind:

  1. Arbeitsplatz
    Ein fester Arbeitsplatz hilft ungemein. Wer meint, er könne von überall arbeiten, unterschätzt die Auswirkung auf die Produktivität. Ich habe (als Angestellter im Büro), von zu Hause, in einem Co-Working-Space und in Cafés und Hotellobbys gearbeitet. Letztendlich habe ich mir ein eigenes Büro angemietet und schätze dieses jeden Tag aufs Neue. Vollkommen ungestört arbeiten zu können hat unzählige Vorteile. Wer von zu Hause arbeitet und nicht alleine lebt, kennt die Situation vielleicht: Man wird ständig unterbrochen. Hat man einmal die notwendige Konzentration gefunden und möchte diese für die Arbeit nutzen, ist sie auch schon wieder zerstört.
    Wer in einer Werkstatt oder einem Atelier arbeitet und nicht am Schreibtisch sitzt, sollte auch hier feste Zeiten haben, an denen in aller Ruhe gearbeitet werden kann. Ist die Geschäftsidee ein Ladengeschäft oder in der Gastronomie, so braucht man auch hier Zeiten ohne Kundenkontakt.
  2. Organisation
    Die Selbstorganisation ist ein wichtiges Thema für jeden Unternehmer. Eine überaus hilfreiche Methode nennt sich Getting-Things-Done, GTD. Sämtliche Ideen und Einfälle werden hier zunächst in einem Eingangskorb gesammelt, anschließend kategorisiert und mit Daten versehen. Diese Organisationsmethode ist wesentlich übersichtlicher als ein Kalender, zumal nicht immer alle Aufgaben genau an dem fälligen Tag abgeschlossen werden können. GTD ist extrem mächtig und sowohl mit als auch ohne Computer umsetzbar.
  3. Real Artists Ship und Qualität
    Diese Aussage von Steve Jobs, dem Mitbegründer von Apple Computer, ist mir täglich im Kopf. Hierbei geht es darum, sich nicht in Perfektion und Details zu verfangen, sondern schlichtweg zu liefern. Ist das neue Produkt noch nicht zu 100 % perfekt aber dennoch einsetzbar, dann wird es angeboten und verkauft. Die noch ausstehenden Details, Verbesserungen und weitere Funktionen können in der nächsten Version erscheinen. Dieses Verfahren ist auch als Paretoregel bekannt: 80 % der Ergebnisse lassen sich in 20 % der Zeit erzielen.
    Real Artists Ship bedeutet jedoch keinesfalls, minderwertige Services und fehlerhafte Produkte auszuliefern. Ganz im Gegenteil, die Qualität muss stets einwandfrei sein.
  4. Disziplin, der Business-Plan und die Definition von Zielen
    Als Angestellter hat man vielleicht das Glück, auch ohne tatsächliche Leistung für das Unternehmen jeden Monat sein Gehalt zu bekommen. Als Selbstständiger fällt man mit dieser Einstellung sehr schnell auf die Nase, mitunter schmerzhaft. Ein Business Plan hilft dabei, frühzeitig sämtliche wichtigen Elemente der Selbstständigkeit zu betrachten und immer wieder die Realität mit der ursprünglichen Planung zu vergleichen. So lässt sich schnell erkennen, wenn etwas schief läuft und auf Dauer den Erfolg des Unternehmens gefährdet. Wer Großes vorhat und für die Firmengründung einen Bankkredit oder Investoren genötigt, kommt an einem Business Plan nicht vorbei.
  5. Erfolgskontrolle
    Die regelmäßige Erfolgskontrolle ist wichtig. So lässt sich erkennen, ob die Investitionen richtig sind und wo Korrekturbedarf notwendig ist. Für die Erfolgskontrolle ist es sinnvoll, sich bereits bei der Erstellung des Business Plans einige Kennziffern zu definieren, die regelmäßig und ohne großen Aufwand berechnet und betrachtet werden.
  6. Einnahmen
    Es gibt Unternehmer, die so sehr in ihr Produkt vertieft sind, dass sie dabei den wirtschaftlichen Erfolg und die Tragfähigkeit des Unternehmens außer Acht lassen. Umsätze sind jedoch notwendig, denn früher oder später ist das bei Gründung vorhandene Kapital aufgezehrt. Wie unter Punkt 3 bereits bemerkt, besser frühzeitig mit dem Vertrieb und der Auslieferung eines Produktes oder einer Dienstleistung beginnen, als auf diese Umsätze zu verzichten.
    Die Einnahmen müssen jedoch nicht zwangsläufig aus dem Unternehmen kommen, im Gegenteil. Viele Produkte nehmen viel Zeit für die Entwicklung in Anspruch und können nur dann vertrieben werden, wenn sie komplett fertiggestellt sind. Produkte aus der bildenden Kunst, aber auch Bücher und Filme zum Beispiel. Es ist auch als Selbstständiger vollkommen legitim, das notwendige Einkommen durch andere Tätigkeiten zu erzielen. Abends in einer Bar zu jobben um damit den Lebensunterhalt zu sichern ist ehrlich und hilft letztendlich der eigenen Selbstständigkeit. Wer noch am Überlegen ist, die Selbstständigkeit als Nebenerwerb zum festen Einkommen zu beginnen, bietet sich hier eine alternative Vorgehensweise. Solange die monatlichen Ausgaben gedeckt werden, kann man auch in Vollzeit in die Selbstständigkeit starten und das Einkommen durch Nebenjobs aufbessern.
  7. Körperliche und geistige Fitness
    Wer müde ist, leistet nur einen Bruchteil des Möglichen. Genauso hindern Erkrankungen daran, die volle Leistungsfähigkeit zu nutzen. Das Leben als Selbstständiger kann stärker die eigene Substanz angreifen, als dies bei Angestellten der Fall ist. Auch als Selbstständiger kann und muss man genug Schlaf haben.
    Meine eigene Situation mag für Langschläfer nicht besonders attraktiv sein, hat sich bei mir jedoch bewährt: Mein Wecker klingelt um 4.15 Uhr. Meistens bin ich sogar schon früher wach und vor allem ausgeschlafen. Dann arbeite ich zwei bis drei Stunden und bin in dieser Zeit in der Lage, durch die Ungestörtheit und hohe Konzentration, den Großteil meines Tagespensums zu erledigen! Anschließend gehe ich mit meinem Hund ausgiebig spazieren, ohne dabei wirklich auf die Uhr blicken zu müssen. Vom späten Vormittag bis in den frühen Mittag arbeite ich weiter und führe in dieser Zeit zum Beispiel Telefonate, für die es am frühen Morgen noch keine Möglichkeit gibt. Zeitintensive, aber monotone Arbeiten, die keinen wachen Geist erfordern, werden am frühen Abend erledigt. So nutze ich meine Zeit und meine Energie über den ganzen Tag verteilt, ohne dabei gestresst zu sein. Während mein Hund mich in meiner körperlichen Fitness unterstützt, kann ich auch den Geist schweifen lassen und meine GTD-Listen (siehe Punkt 2, Organisation) bearbeiten.
  8. Tools
    Beim Maler ist es der Pinsel, beim Dachdecker der Hammer und bei Schreibtischarbeit das Telefon und der Computer. Jede Arbeit erfordert dabei andere Hilfsmittel. Bei der Auswahl dieser ist darauf zu achten, wie gut die Tools die eigentliche Arbeit unterstützen und wie viel sie kosten. In der Betriebswirtschaftslehre nennt sich dies nüchtern Kosten- und Leistungsrechnung. Muss es unbedingt ein Apple Laptop sein, wenn die meiste Arbeit doch nur im Webbrowser erledigt wird? Bringt die Speicherung der Daten in der Cloud Vorteile für das Unternehmen?
    Im Laufe der Jahre als Selbstständiger habe ich gelernt, einfache aber hochwertige Tools zu benutzen. Plattformunabhängigkeit ist spätestens dann von Vorteil, wenn eine Komponente des Systems ausfällt und nicht unmittelbar ersetzt werden kann.
    Die Tools müssen nicht immer im Neuzustand erworben werden. Wenn das Budget zu Beginn der Selbstständigkeit knapp ist, können auch gebrauchte Tools erworben werden. Ein hochwertiger Businesslaptop ist auch nach einigen Jahren noch leistungsfähig genug, um damit ordentlich arbeiten zu können, kostet aber nur noch einen Bruchteil des originalen Preises.
  9. Flexibilität
    Der denkende Mensch ändert seine Meinung, Friedrich Nietzsche. Dieses Prinzip gilt auch als Selbstständiger. Das Unternehmensziel sowie die Produkte und Dienstleistungen müssen hin und wieder auf deren Relevanz hin geprüft werden. Dabei kann sich herausstellen, dass eine Umorientierung des Unternehmens notwendig ist. Es ist nicht falsch, Fehler zu machen. Falsch ist es, diese nicht erkennen und zugeben zu wollen und nicht zu korrigieren.

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